Kinotagebuch: Anatomy of a Fall (2023) - Positionszwang
Ich meine es todernst: Der Hund muss für den Nebenrollen-Oscar nominiert werden!

Eigentlich sollte Sandra Hüller selbst auch zu dieser Premierenvorstellung kommen, aber sie musste leider kurzfristig absagen. Laut Kinoleiterin ging es ihr nicht gut. Sehr schade. Aber immerhin habe ich sie schonmal bei SISI & ICH im April gesehen.
Ein herausragend komplexes Werk, dass sein Publikum dazu zwingt, Position zu beziehen – und zwar nicht (nur) in der Schuldfrage, sondern im Bezug zu eigenen Denkmustern, Prägungen und Vorurteilen. So wird jede:r andere Antworten finden, andere Fragen stellen und letztlich einen anderen Film sehen. Zumal der Film gut daran tut, sich im Kern eigentlich gar nicht so sehr für Schuld, Recht und Gerechtigkeit zu interessieren. Letztlich spielen die gefällten Urteile – sowohl moralischer als auch rechtlicher Natur – nämlich gar keine Rolle. Denn die Beziehung zwischen Sandra und ihrem Sohn Daniel ist angesichts objektiver Wahrheiten für immer zerrüttet. Die Natur des Menschen ist schlecht, was Beziehungen zwangsläufig messy macht. Da geht kein Weg drumherum, damit müssen wir alle klarkommen und arbeiten.
Was man auch einfach mal festhalten kann: Der Film ist so gut im Fluss, ich konnte es kaum glauben, wie schnell die zweieinhalb Stunden vorbei waren.
P.S.: Ich meine es todernst: Der Hund muss für den Nebenrollen-Oscar nominiert werden!
★★★★½

