Gesehen: Oppenheimer (2023) - Historisches Puppentheater

Als wäre Lars Eidinger ein Drehbuch geworden.

Gesehen: Oppenheimer (2023) - Historisches Puppentheater

OPPENHEIMER ist, als wäre Lars Eidinger ein Drehbuch geworden. Dieser Film hat keine einzige nuanciert angelegte und gespielte Szene. Mit jedem einzelnen Satz wird entweder bedeutungsschwangeres Foreshadowing vorangetrieben oder ein neunmalkluger Kalenderspruch über die ach so schwer überschaubare moralische Grauzone rausgehauen. Der als große Charakterstudie angelegte Film nimmt sich wahnsinnig wichtig, lässt jedoch das dazu notwendige Fingerspitzengefühl mehr als vermissen.

Leider setzt sich dieser Mangel an Subtilität auch auf visueller Ebene fort. Nur wenige Bilder können wirklich atmen, eine von Dialog und Plot losgelöste Wirkung erzielen. Die – in meinen Augen – Referenz an Werner Herzogs „Lektionen in Finsternis“ mag zwar den richtigen Ton treffen, steht im Gesamtkunstwerk OPPENHEIMER jedoch ziemlich allein auf weiter Flur.

Dazu kommt ein Namedropping sondergleichen. Es scheint, als ob manche Figuren nur wegen ihres bekannten Namens eingeführt und schließlich wie eine heiße Kartoffel fallengelassen werden. Nolan betreibt hier eine Art historisches Puppentheater, detailversessen und opulent ausgestattet, für das sogar ein Gary Oldman sich für grob über den Daumen geschätzte 120 Sekunden noch einmal den halben Tag lang in die Maske begeben muss.

Aber es ist dann eben genau dieses Puppentheater, was mich jedenfalls an dieser Stelle so fasziniert. Welches Staraufgebot Nolan offenbar mit einem Fingerschnippen herbeimanifestieren kann. Dieser genüsslich zelebrierte Größenwahn, der schon irgendwie eine Art Respekt abverlangt. Trotz all meiner Kritikpunkte habe ich mich drei Stunden lang nie gelangweilt.

Noch ein paar lose Gedanken und Anmerkungen:

  1. Christopher sollte einfach wieder mit seinem Bruder Jonathan seine Drehbücher schreiben.
  2. Ganz ohne Ironie werde ich es mir wirklich zweimal überlegen, ob ich Nolans nächstes Werk unbedingt im Kino sehen muss. Ich komme mit dieser Lautstärke tatsächlich nur sehr schwer klar. Vielleicht sollte ich mir solche Konzertgehörschutze besorgen.
  3. Wer 2023 noch solche Frauenfiguren schreibt, dem gehört wirklich der kreative Freifahrtschein entzogen.

★★★☆☆

🇺🇸/🇬🇧, R: Christopher Nolan, D: Cillian Murphy, Emily Blunt, Matt Damon, Robert Downey Jr., Florence Pugh, Josh Hartnett, Casey Affleck, Rami Malek, Kenneth Branagh, Benny Safdie, Jason Clarke, Dylan Arnold, Tom Conti, James D’Arcy, David Dastmalchian, Dane DeHaan, Alden Ehrenreich, Tony Goldwyn, Jefferson Hall, David Krumholtz, Matthew Modine, Scott Grimes, Kurt Koehler, John Gowans, Macon Blair, Trailer, Letterboxd, Wikipedia

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A ★★★ review of Oppenheimer (2023)
OPPENHEIMER ist, als wäre Lars Eidinger ein Drehbuch geworden. Dieser Film hat keine einzige nuanciert angelegte und gespielte Szene. Mit jedem einzelnen Satz wird entweder bedeutungsschwangeres Foreshadowing vorangetrieben oder ein neunmalkluger Kalenderspruch über die ach so schwer überschaubare moralische Grauzone rausgehauen. Der als große Charakterstudie angelegte Film nimmt sich wahnsinnig wichtig, lässt jedoch das dazu notwendige Fingerspitzengefühl mehr als vermissen. Leider setzt sich dieser Mangel an Subtilität auch auf visueller Ebene fort. Nur wenige Bilder können wirklich atmen, eine von Dialog und Plot losgelöste Wirkung erzielen. Die – in meinen Augen – Referenz an Werner Herzogs „Lektionen in Finsternis“ mag