🎬 LSC6: The Thing (1982) – Perfekter Nährboden für menschliche Paranoia

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen Film aus den Letterboxd Top 250 zu schauen.


Warum damit großartig hinterm Berg halten? THE THING ist ein Film, der sich praktisch keine Fehltritte erlaubt. Er ist von der ersten bis zur letzten Minuten spannend – und zwar, weil er sich Zeit nimmt und nicht der Versuchung nachgibt, alle 30 Sekunden eine neue Zerreißprobe liefern zu müssen. Dazu ist THE THING unfassbar unheimlich, weil er wie eine Säure wirkt, die alles langsam zerfrisst, bis nur noch der blanke Horror übrig bleibt. John Carpenter hat damit etwas abgeliefert, das trotz seiner Reduziertheit effektiv statt einfach gestrickt ist.

Carpenters Film arbeitet mit einer klaren, unmissverständlichen Bildsprache, die zu keiner Sekunde das Gefühl vermittelt, etwas unnötig verheimlicht zu bekommen. Dazu kommt ein nahezu perfekter Score aus der Feder des legendären Ennio Morricone, der wirkmächtig unterstreicht statt zu manipulieren. Und das macht THE THING nur noch effektiver.

THE THING ist der perfekte Nährboden für menschliche Paranoia. Er zeigt kompromisslos unsere Kapitulation angesichts komplexer Probleme und den Drang nach vermeintlich einfachen, jedoch völlig destruktiven Lösungen. Der Mensch wendet sich lieber stur gegen seine Artgenossen, anstatt sich sein Scheitern einzugestehen. THE THING zeigt, dass wir einfach nicht aus den Fehlern anderer lernen können, sondern stattdessen felsenfest davon überzeugt sind, es besser machen zu können. Und gerade deshalb steckt die größte Gefahr für die Menscheit in jedem Mitglied der Gesellschaft und dessen Umgang mit dem Fremden selbst.

THE THING erzählt mehr über die menschliche Natur, als die simple Prämisse und der nahezu unausweichliche Handlungsverlauf zunächst vermuten lassen.


🎬 The 6th Annual Letterboxd Season Challenge

Mein Letterboxd-Profil, Stand: 12. August 2020

Letterboxd ist mein Lieblingsort im Internet, wenn es um Filme geht. Auf dieser Seite ist eine wirklich feine Community von Cinephilen entstanden. Und rund um das Listen-Feature sprießen immer wieder interessante Challenges aus dem digitalen Erdboden. Normalerweise passt das jedoch gar nicht zu meinem Stil, Filme zum Anschauen auszuwählen. Zwang ist meiner Erfahrung nach keine gute Methode, mit der ich mich gut auf etwas einlassen kann. Außerdem halte ich mein Interesse für breit genug, um mich auch in Ecken weit abseits des Mainstreams umzusehen.

Und doch hat die Letterboxd Season Challenge meine Aufmerksamkeit erregt. Vor zwei Jahren habe ich deshalb zum ersten Mal die jeweils achtmonatige Herausforderung angenommen, weil ich so noch tiefer in mir bisher kaum bekannte Nieschen eintauchen konnte. Denn jede Woche steht unter einem speziellen Motto, das die Filmauswahl einschränkt. Ich habe die Challenge praktisch als Reiseführer durch die Filmlandschaft genutzt. Und das hat super funktioniert.

Mittlerweile steht die insgesamt sechste und meine dritte Letterboxd Season Challenge vor der Tür. Was ich mir in den kommenden Monaten alles anschauen werde, dokumentiere ich in diesem Post. Und ich habe mir vorgenommen, zu jedem einzelnen Film mindestens ein paar Zeilen zu schreiben – so, wie ich es auch in den vergangen Jahren gemacht habe.


7. September bis 11. Oktober 2020

  1. The Thing (1982, D: John Carpenter)
  2. Humpday (2009, D: Lynn Shelton)
  3. In the Heat of the Night (1967, Norman Jewison)
  4. Nikita (1990, D: Luc Besson)
  5. Il Sorpasso (1962, D: Dino Risi)

12. Oktober bis 15. November 2020

  1. Creep (2014, D: Patrick Brice)
  2. Lesbian Vampire Killers (2009, D: Phil Claydon)
  3. Near Dark (1987, D: Kathryn Bigelow)
  4. Murder by Death (1976, D: Robert Moore)
  5. Joint Security Area (2000, D: Park Chan-wook)

16. November bis 20. Dezember 2020

  1. The Savages (2007, D: Tamara Jenkins)
  2. Sabrina (1954, D: Billy Wilder)
  3. I Killed My Mother (2009, D: Xavier Dolan)
  4. The Last Black Man in San Francisco (2019, D: Joe Talbot)
  5. Olive Kitteridge (2014, Miniserie)

4. Januar bis 7. Februar 2021

  1. The Watermelon Woman (1996, D: Cheryl Dunye)
  2. Never-Ending Man: Hayao Miyazaki (2016, D: Kaku Arakawa)
  3. Vanilla Sky (2001, D: Cameron Crowe)
  4. A Canterbury Tale (1944, D: Emeric Pressburger & Michael Powell)
  5. Dead Man (1995, D: Jim Jarmusch)

8. Februar bis 14. März 2021

  1. Chaplin (1992, D: Richard Attenborough)
  2. The Young and the Damned (1950, D: Luis Buñuel)
  3. Thief (1981, D: Michael Mann)
  4. The Piano (1993, D: Jane Campion)
  5. Police Story (1985, D: Jackie Chan)

15. März bis 18. April 2021

  1. Hiroshima Mon Amour (1959, D: Alain Resnais)
  2. Shut Up and Play the Hits (2012, D: Will Lovelace & Dylan Southern)
  3. The Meetings of Anna (1978, D: Chantal Akerman)
  4. The Stepford Wives (1975, D: Bryan Forbes)
  5. Glengarry Glen Ross (1992, D: James Foley)

19. April bis 9. Mai 2021

  1. Rosemary’s Baby (1968, D: Roman Polanski)
  2. Marina Abramović: The Artist Is Present (2012, D: Matthew Akers)
  3. Z (1969, D: Costa-Gavras)