🎬 LSC6: The Savages (2007) – Wie ein vertrautes Nest

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen und in einer der Top-10-Listen von YourMovieSucks auftauchenden Filme zu schauen.


Mit THE SAVAGES streicht Tamara Jenkins wunderbar heraus, wie viel Unbeholfenheit in unser aller Leben steckt und in wievielen absonderlich-komischen und gleichermaßen tragischen Situationen diese durchscheint – etwa, wenn Laura Linney und Philip Seymour Hoffman mit ihrem Vater über dessen für das Pflegeheim benötigte Patientenverfügung sprechen. Doch der kann aufgrund seiner fortschreitenden Demenz die Situation jedoch nicht mehr komplett verstehen und wundert sich stattdessen darüber, welches Hotel denn ein solches Dokument verlangt. Dann ist das gleichzeitig tieftraurig und urkomisch.

Es ist die gleiche komische Tragik, in die Jenkins später mit PRIVATE LIFE und dem Leben eines Paares eintaucht, das versucht, durch künstliche Befruchtung ein Kind zu bekommen. Die Filmemacherin konfrontiert ihre ProtagonistInnen permanent mit ihrer eigenen Vergänglichkeit, ohne sie in Lebensgefahr zu bringen – in THE SAVAGES mit dem letzten noch lebenden Elternteil, das langsam aus dem Leben schwindet und dem damit verbundenen Gefühl der Machtlosigkeit.

Das vermischt Jenkins mit einer unterliegenden Melancholie und fast schon romantisierten Erinnerungen, die gleichzeitig schmerzen und sich wie ein vertrautes Nest anfühlen.

Jenkins hat es gemeistert, alltäglichliche Momente und normale (≠ kleine) Probleme so zu zeigen, wie sie sich für uns alle in ähnlichen Situationen anfühlen: außergewöhnlich, monumental und überwältigend. THE SAVAGES wird deshalb zu großartiger Kunst, weil der Film einfühlsam und tief aus unserer Seele schöpft, uns gleichzeitig Einzigartiges und Vertrautes fühlen lässt.


🎬 LSC6: Joint Security Area (2000) – Das Politische im Privaten

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen Film von Katie Rifes “Korean Cinema Homework”-Liste zu schauen.


JOINT SECURITY AREA wartet mit den dümmsten Expositionsdialogen auf, die ich je bei einem respektablen Filmemacher wie Park Chan-wook gesehen habe. Und trotzdem schafft es der Film, mich auf seine Seite zu ziehen. Denn interessant wird der Film, sobald er aus dem großen Konflikt ins Private rutscht und so unmissverständlich klarmacht, dass auch das Private politisch ist.

Gleichzeitig kann das scheinbar versöhnliche, wenn auch tragische, Ende im Privaten kein Happy End auf der übergeordneten Bühne sein. Denn wenn Versöhnung zu etwas geworden ist, dass man unter Einsatz seines Lebens vertuschen muss, scheint jede Hoffnung durch die entmenschlichte Lage im Keim erdrückt zu werden.

Die Frage ist, ob sich ein Konflikt, der schon so lange schwelt, überhaupt noch lösen lässt. Ob es ein Licht am Ende des Tunnels geben kann, wenn beide Seiten scheinbar bereits vergessen haben, wo der Hass seinen Anfang nahm. Ob man jemals wieder mit klarem Blick auf eine Realität schauen kann, die mit Propaganda bis zur Unkenntlichkeit verbogen worden ist.

Und damit spielt auch JOINT SECURITY AREA gekonnt – indem uns der Film vermeintlich Flashbacks zeigt, von denen nicht klar ist, ob sie Wunschvorstellung, Realität oder von Propaganda durchkrochene Erinnerungen sind.

Somit bleibt ein maximal diffuses Gefühl der Hoffnung zurück, weil der Film letztlich auf die Menschlichkeit wettet.


🎬 LSC6: Murder by Death (1976) – Vollkommen harmlos

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen Film zu schauen, in dem entweder Nicholas Ray, Satyajit Ray, Ray Winstone, oder Fay Wray mitgespielt oder im Regiestuhl gesessen haben.


MURDER BY DEATH ist albern – nur eben leider größtenteils das plumpe und nicht das clevere Albern. Trotzdem hat es Neil Simon geschafft, mehr unterhaltsame Stellen als solche, die es nicht sind, im Drehbuch unterzubringen. Der Film nimmt vollkommen harmlos (und in Teilen rassistisch) die verschiedenen Auswüchse des Whodunit-Genres aufs Korn. Zu Größerem verhelfen dabei auch Alec Guinness, David Niven, Maggie Smith, Peter Sellers, Peter Falk und Truman Capote persönlich leider nicht.


🎬 LSC6: Near Dark (1987) – Vogelfrei und doch gefangen

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen, von einer Frau inszenierten Horror-Film zu schauen.


Mit NEAR DARK hat Kathryn Bigelow das stilistische Fundament für die später folgenden POINT BREAK (1991) und STRANGE DAYS (1995) gelegt – und das bereits extrem konsequent und vor Selbstbewusstsein nur so strotzend.

Doch NEAR DARK ist keineswegs nur Style over Substance. Vielmehr kommentiert der Film gesellschaftskritisch im Groben und feministisch im Speziellen.

Bigelow benutzt eine Vampirgang, um die verbohrte Ignoranz des Mittleren Westens an die Oberfläche zu befördern. Denn diese Kreaturen sind vermeintlich vogelfrei und letztlich doch gefangen – in der Nacht und unter sich. Denn der bloße Hauch von Andersartigkeit reicht bereits, um nicht mehr in der gesellschaftlichen Mitte akzeptiert zu werden.

Gleichzeitig zeigt Jenny Wrights „Mae“ als scheinbares Mauerblümchen unter den Blutsaugern, was aufgrund angeblicher Schwäche unterdrückte Frauen in einer patriarchalen Gesellschaft (oder eben in diesem Fall einem Haufen verrückter Vampire) permanent ertragen müssen.


🎬 LSC6: Lesbian Vampire Killers (2009) – Ein Worst-of

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen, seit dem Jahr 2000 erschienenen Vampirfilm zu schauen.


LESBIAN VAMPIRE KILLERS – das Worst of SCOOBY-DOO, VAN HELSING und 300. Mehr kann und will ich dazu eigentlich auch gar nicht sagen.