🎬 LSC6: The Piano (1993) – Wertlose Worte

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehen Film von Jane Campion zu schauen.


THE PIANO ist ein malerisch-poetischer Film über Kommunikation und was das eigentlich ist, wo und wie sie unter der verbalen Oberfläche stattfindet und warum das gesprochene Wort letztlich wertlos ist, wenn die entsprechenden Taten nicht folgen.

Kommunikation ist nicht, beim Sprechen mit der stummen Mutter sie keines Blickes zu würdigen und nur das übersetzende Kind anzuschauen. Denn sie spricht auch – sogar sehr deutlich. Nur eben nicht im konventionellen Sinne. Doch ist das weniger Wert?

Scheinbar schon, denn obwohl es einen gibt, der sie nicht nur sieht, sondern auch hört, ist es genau diese Person, unter der die Stumme mehr als bisher zur Ware verkommt – was das Ende für mich teilweise fragwürdig erscheinen lässt.


📝 Ammonite (2020) – Schrei durchs Megafon

Screenshot: kino-zeit.de

Lee spielt vor, ein im Subtext komplexes Drama ablaufen zu lassen, schreit bei genauerem Hinsehen jedoch über weite Strecken regelrecht in ein Megafon. Das zeugt von wenig Vertrauen in die eigenen Darstellerinnen und visuelle Ausdruckskraft. Dabei lässt Lee von Kameramann Stéphane Fontaine (Jackie) die fast schon lebensfeindlich anmutende Südküste Englands mit der poetisch-düsteren Anmut eines Gemäldes von William Turner einfangen, bietet den gewaltigen Bildern jedoch wie seinen Figuren nur wenig ausgeruhte Momente zum Sein. Es fehlt die Erotik der erst zögernden, dann immer länger verweilenden Blicke. Es fehlt das regelrechte Suhlen in Momenten der Verzweiflung, der Spannung, dem explosionsartigen Ausbruch der Gefühle. Es fehlt Freiraum, in dem das Publikum angemessen in die behauptete Gefühlswelt eintauchen, selbst ihre Luft atmen kann.

Ammonite (2020) – Schrei durchs Megafon – kino-zeit.de

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🎬 LSC6: Thief (1981) – Nichts ohne die Lichter der Großstadt

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehen Film mit Soundtrack von Tangerine Dream zu schauen.


Michael Mann versteht es, Profis bei ihrer Arbeit zu inszenieren. James Caan und Jim Belushi gehen mit ihrem Panzerknackerwerkzeug genauso virtuos um wie eine Violinist*in mit ihrer Geige und arbeiten so präzise zusammen wie ein Orchester gemeinsam Kompositionen zum Leben erweckt. Ihre krummen Deals wickeln sie mit der Smoothness aalglatter Börsianer*innen ab – und zwar als ob ihnen die Welt zu Füßen liegt und sie nichts und niemandem Rechenschaft schuldig sind. Wobei das wohl mehr über die Wall Street als die Gebaren einer Handvoll Gangster aussagt.

Ihre unfassbare Coolness scheint ihnen jedenfalls nicht ihr Können, sondern die Metropole New York City selbst zu verleihen. Doch ohne die Lichter dieser Großstadt wären sie nichts – nur Typen, die sich gerne reden hören, aber denen niemand zuhört.

THIEF ist ein ästhetisch beeindruckender Film über den „one last job”, der dem Genre auch in 1981 praktisch nichts Neues hinzuzufügen hatte.


📝 The Man Who Sold His Skin (2020) – Die Würde des Menschen ist tätowierbar

Screenshot: kino-zeit.de

Der Deal: Sam Ali lässt sich ein Schengen-Visum auf den Rücken tätowieren und bekommt im Gegenzug ein tatsächliches Visum mit absoluter Reisefreiheit organisiert. Gleichzeitig muss er als nun lebendes Kunstwerk jedoch auf Fingerschnippen für Ausstellungen bereitstehen. Der Exzess der westlichen Welt wird wortwörtlich auf dem Rücken der Geflüchteten ausgetragen. Die Würde des Menschen ist zwar nicht antastbar, aber offensichtlich tätowierbar.

Spätestens an dieser Stelle verabschiedet sich das Drehbuch von jeglicher Form der Subversion. Wer zwischendrin mal kurz aufs Handy schaut, muss keine Angst haben, etwas zu verpassen. Denn The Man Who Sold His Skin setzt zwar auf „show”, aber in noch viel größerem Maße auf „tell”.

The Man Who Sold His Skin (2020) – Die Würde des Menschen ist tätowierbar – kino-zeit.de

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📝 Der Prinz aus Zamunda 2 (2021) – Weder „woke” noch witzig

Screenshot: musikexpress.de

DER PRINZ AUS ZAMUNDA 2 ist so sehr in der Struktur des Vorgängers gefangen, dass er nicht viel mehr als das leise Echo eines zumindest ansatzweise fortschrittlich in die Zukunft schauenden – jedenfalls im Kontext des Hollywood-Mainstreams der 1980er – Films darstellt. Wo Akeem noch mit veralteten Konventionen wie der Zwangsheirat brach, herrscht nun 30 Zamunda-Jahre später immer noch absoluter Stillstand. Der König gewordene Prinz scheint sich weiterhin von den königlichen Wäscherinnen beim morgendlichen Bad gründlich „säubern” zu lassen und mehr als nur ein Auge auf knapp bekleidete Tänzerinnen zu werfen. „Ab jetzt wird sich alles ändern”, verspricht Akeem trotzdem sinngemäß zum Schluss. Doch es ist zu spät. Das Franchise ist verdorben.

„Der Prinz aus Zamunda 2” bei Amazon Prime Video: Weder „woke” noch witzig – musikexpress.de

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