🎬 LSC6: Chaplin (1992) – Schlechter Bauschaum

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen Film mit Sven Nykvist hinter der Kamera zu schauen.


Schlechte gekünstelte Akzente, forcierte Melancholie, seelenlos-mechanisches Schauspiel, mit dem Best-of der iMovie-Übergänge geschnitten und dem rührseligsten “Rosamunde Pilcher”-Soundtrack unterlegt: Das ist CHAPLIN. Der Film gibt vor Lücken zu schließen, versucht diese aber mit weit hinter dem Verfallsdatum liegenden Bauschaum zu stopfen.

Was ich nicht sehen will, aber unweigerlich zu sehen bekomme, ist das, was ich sowieso schon weiß. Weil ich Filme von Charlie Chaplin gesehen habe. Weil ich hier und da eine Anektdote über sein Leben gelesen habe. Was ich wissen will, ist, was Charlie Chaplin in diesen Zwischenmomenten, in denen keine Kamera dabei war, gefühlt und bewegt hat. Aber der Film macht genau den Fehler, den Anthony Hopkins als fiktiver Verleger George Hayden dem unter die Autobiografen gegangenen Filmemacher vorwirft: Er lässt sein Publikum nicht mitfühlen. Und obendrauf werden noch Vergewaltigungen verharmlost und normalisiert.

Thanks, I hate it.


🎬 LSC6: Dead Man (1995) – Haben Sie Tabak?

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen Acid-Western zu schauen.


Die ersten komplett wortlosen fünf Minuten von DEAD MAN, mit ihren kurzen Charakterstudien, wunderschönen Landschaftsaufnahmen und am Eisenbahnwagon vorbeiziehenden Details, erzählen mehr über das Amerika des 19. Jahrhunderts, als es der Rest des Films vermag.

Er beginnt stark, rennt gegen den Frühkapitalismus sowie die Ausbeutung der Natur an, zeichnet die Anfänge der Industrialisierung so nach, wie David Lynch sie in seinem Spielfilmdebüt ERASERHEAD fortführt: bedrohlich, überlebensgroß, lauernd und in ihrem vollen Ausmaß nur zu erahnen.

Doch dann verkommt DEAD MAN schnell zu einem selbstverliebten Roadtrip, der sich mal hier über die Waffenvernarrtheit der US-Amerikaner lustig macht (Ihre Poesie ist der Daumen auf dem Abzug, ihre Religion der Tod), mal hier das Western-Genre ad absurdum führt und somit dort mit der unnötigen Romantisierung dieser Ära bricht – nur eben ohne wirklichen Biss und Minute für Minute abnehmendem Fokus.

Do you have tobacco?