📝 Billie Eilish: The World’s a Little Blurry (2021) – In dieser Doku ist nicht nur die Welt unscharf

Screenshot: musikexpress.de

BILLIE EILISH: THE WORLD’S A LITTLE BLURRY schafft es, die Zuschauer*innen innerhalb der monumentalen Spielzeit von zweieinhalb Stunden durch ein Wechselbad der Gefühle zu schicken. Einerseits ist der Film „eine radikal ehrliche Doku über einen Teenager, der zur Ikone wird”, wie Kritiker David Ehrlich für „Indiewire“ schreibt. Andererseits ist der Film Teil der Entertainment-Maschinerie – und auch des Problems, indem er die Schattenseiten des Ruhms nur vermeintlich kritisch betrachtet und sich so letztlich mit der ungesunden Legendenbildung innerhalb der Musikindustrie gemein macht.

„Billie Eilish: The World’s a Little Blurry” bei Apple TV+: In dieser Doku ist nicht nur die Welt unscharf – musikexpress.de

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🎬 LSC6: The Young and the Damned (1950) – Getreten wird immer nur nach unten

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehen Film aus dem Goldenen Zeitalter des mexikanischen Kinos zu schauen.


Im Intro von THE YOUNG AND THE DAMNED wird angekündigt, dass es sich nicht um einen optimistischen Film handelt. Und so ist es auch – auch mehr als 70 Jahre nach Release noch. Denn obwohl sich ganz allgemein die Lebensbedingungen (zumindest in der westlichen Welt) gebessert haben, hat insbesondere ein Phänomen Fortbestand: dass die Abgehängten ohne mit der Wimper zu zucken nach unten treten, aber keinen Angriff auf die eigentlichen Ausbeuter:innen starten. Attackiert werden nur die Blinden, die vermeintlich dummen Arbeiter:innen vom Land, die noch Ärmeren, die noch Hungrigeren, die Ausgegrenzten, aber auch die eigenen Freund:innen und die Familie. Luis Buñuel hat damit ein zeitloses Gespür für gesellschaftlich-ökonomische Zusammenhänge bewiesen.


🎬 LSC6: Chaplin (1992) – Schlechter Bauschaum

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen Film mit Sven Nykvist hinter der Kamera zu schauen.


Schlechte gekünstelte Akzente, forcierte Melancholie, seelenlos-mechanisches Schauspiel, mit dem Best-of der iMovie-Übergänge geschnitten und dem rührseligsten “Rosamunde Pilcher”-Soundtrack unterlegt: Das ist CHAPLIN. Der Film gibt vor Lücken zu schließen, versucht diese aber mit weit hinter dem Verfallsdatum liegenden Bauschaum zu stopfen.

Was ich nicht sehen will, aber unweigerlich zu sehen bekomme, ist das, was ich sowieso schon weiß. Weil ich Filme von Charlie Chaplin gesehen habe. Weil ich hier und da eine Anektdote über sein Leben gelesen habe. Was ich wissen will, ist, was Charlie Chaplin in diesen Zwischenmomenten, in denen keine Kamera dabei war, gefühlt und bewegt hat. Aber der Film macht genau den Fehler, den Anthony Hopkins als fiktiver Verleger George Hayden dem unter die Autobiografen gegangenen Filmemacher vorwirft: Er lässt sein Publikum nicht mitfühlen. Und obendrauf werden noch Vergewaltigungen verharmlost und normalisiert.

Thanks, I hate it.