🎬 LSC6: Il Sorpasso (1962) – Permanente Flucht zu welchem Preis?

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen “Commedia all’italiana“-Film zu schauen.


Wer nicht ab und zu mal bremst und nur mit Bleifuß auf dem Gaspedal steht, wird irgendwann aus der Kurve fliegen. Diese Quintessenz hat Dino Risi in seinen Film IL SORPASSO gegossen. Darin inszeniert er elegante Hektik und atemlose Dialoge, die schwer an Jean-Luc Godards AUSSER ATEM, WEEKEND sowie ELF UHR NACHTS erinnern und damit sehr nah an der Nouvelle Vague sind.

Wer zum Durchatmen Pause macht, ergibt sich der schnöden Realität, in der der Rest der Gesellschaft lebt. IL SORPASSO ist wie SPEED, nur dass die Bombe das Aufgehen im Konventionellen ist. Doch die individuelle Anarchie als erfolgreiche Form des Protests ist eine Illusion. Denn sie ist zwingend co-abhängig von der Existenz vergleichsweise restriktiverer Systeme und solidarischer Gesellschaften.

Zu welchem Preis also ausbrechen, sich nicht beugen wollen? Wer permanent auf der Flucht ist, lässt irgendwann sich selbst und alle, die einem nahe stehen, hinter sich.


🎬 LSC6: La Femme Nikita (1990) – Weitwinkliger Nihilismus

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen “Cinéma du Look“- Film zu schauen.


LA FEMME NIKITA ist ein durchweg reaktionärer Film. Wer den Regeln des Staates folgt, sich der Staatsmacht bedingungslos unterordnet, wird sogar von den Toten zurückgeholt. Die Vorstellung, das System als ihm entgegenstehend – also mehr oder weniger als Soziopath – von innen heraus auszuhöhlen, ist naiv. Genauso wie die Vorstellung, dass das System und insbesondere der Staat dein Freund ist. Freundschaft gehört nicht zu seinen Aufgaben.

Aus Druck gewachsene Konformität verleiht nur oberflächliche Macht innerhalb der systemischen Spielregeln, macht einen letztlich zu einem bloßen Werkzeug der Mächtigen.

LA FEMME NIKITA hat kein Interesse daran, das System einzureißen. Entweder man ist ein Teil davon oder tot. Es wird kein ernsthafter Ausweg gezeichnet, was letztlich alles in verzweifeltem Zynismus und Nihilismus zergehen lässt.

Davon abgesehen war es noch nie Luc Bessons Stärke, mehrdimensionale Frauenrollen zu schreiben. Trotzdem hat er mit LA FEMME NIKITA einen markanten Fußabdruck im europäischen Action-Kino der 90er hinterlassen – nicht zuletzt durch die interessante, wenn auch im Verlauf des Films sich zunehmend abnutzende Vorliebe für Dolly-Shots mit tiefen Weitwinkeln, auf die wahrscheinlich selbst ein Terrence Malick neidisch wäre.