📝 Ammonite (2020) – Schrei durchs Megafon

Screenshot: kino-zeit.de

Lee spielt vor, ein im Subtext komplexes Drama ablaufen zu lassen, schreit bei genauerem Hinsehen jedoch über weite Strecken regelrecht in ein Megafon. Das zeugt von wenig Vertrauen in die eigenen Darstellerinnen und visuelle Ausdruckskraft. Dabei lässt Lee von Kameramann Stéphane Fontaine (Jackie) die fast schon lebensfeindlich anmutende Südküste Englands mit der poetisch-düsteren Anmut eines Gemäldes von William Turner einfangen, bietet den gewaltigen Bildern jedoch wie seinen Figuren nur wenig ausgeruhte Momente zum Sein. Es fehlt die Erotik der erst zögernden, dann immer länger verweilenden Blicke. Es fehlt das regelrechte Suhlen in Momenten der Verzweiflung, der Spannung, dem explosionsartigen Ausbruch der Gefühle. Es fehlt Freiraum, in dem das Publikum angemessen in die behauptete Gefühlswelt eintauchen, selbst ihre Luft atmen kann.

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📝 The Man Who Sold His Skin (2020) – Die Würde des Menschen ist tätowierbar

Screenshot: kino-zeit.de

Der Deal: Sam Ali lässt sich ein Schengen-Visum auf den Rücken tätowieren und bekommt im Gegenzug ein tatsächliches Visum mit absoluter Reisefreiheit organisiert. Gleichzeitig muss er als nun lebendes Kunstwerk jedoch auf Fingerschnippen für Ausstellungen bereitstehen. Der Exzess der westlichen Welt wird wortwörtlich auf dem Rücken der Geflüchteten ausgetragen. Die Würde des Menschen ist zwar nicht antastbar, aber offensichtlich tätowierbar.

Spätestens an dieser Stelle verabschiedet sich das Drehbuch von jeglicher Form der Subversion. Wer zwischendrin mal kurz aufs Handy schaut, muss keine Angst haben, etwas zu verpassen. Denn The Man Who Sold His Skin setzt zwar auf „show”, aber in noch viel größerem Maße auf „tell”.

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