🎬 LSC6: The Watermelon Woman (1996) – Unfokussiert auf den Punkt

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen Film von einer Schwarzen Regisseurin und/oder Drehbuchautorin zu schauen.


THE WATERMELON WOMAN ist ein Film, der (aus der heutigen Sicht eines weißen und nicht betroffenen Menschen) mit einer fast an Belanglosigkeit grenzenden Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit daherkommt. Dass er das natürlich nicht ist, untermauert ein Blick auf das Release-Jahr und vor die eigene Haustür. Cheryl Dunyes Film ist ein Zeugnis davon, wie lange bereits in vergleichsweise aufgeklärten Zeiten um Repräsentation gerungen wird – vor der Kamera, hinter der Kamera und in allen Bereichen der Gesellschaft – und welche Rolle dabei nicht nur Hautfarbe, sondern unter anderem auch weitere Teile der kulturellen und sexuellen Identität spielen.

Nur als Film will das noch nicht total rund zusammenkommen. Klar, die amateurhafte Aufmachung untermalt den Charme des nur lose strukturierten Selbstfindungsprozesses. Und THE WATERMELON WOMAN bringt die Sache letztlich doch noch auf einen konkreten und bedeutsamen Punkt. Die Argumente sind alle da, jedoch zu unfokussiert.


🥇 Top 15 of 2020 – Filme

Internationale oder Deutschland-Premiere in 2020, sortiert in alphabetischer Reihenfolge

>> Mein Filmjahr 2020 im Überblick auf Letterboxd

📺 LSC6: Olive Kitteridge (2014) – Früher war eben nicht alles besser

Die Challenge in dieser Woche ist, eine bisher ungesehne Miniserie zu schauen.


Das war herzzerreißend, nervenaufreibend und bittersüß zugleich. OLIVE KITTERIDGE liefert vier Episoden, die nicht leicht zu verdauen sind. Letztlich geht es um die Dämonen, mit denen wir alle aus den unterschiedlichsten Gründen zu kämpfen haben – wie wir mit ihnen wachsen oder an ihnen zerbrechen. Und dass das eben nichts ist, das man einfach ignorieren und zu den Akten legen kann. Trauma beeinflusst Generationen. Früher war eben nicht alles besser und es ist egal, was die Leute denken.

OLIVE KITTERIDGE lässt keine eindeutigen Diagnosen zu, erlaubt charakterliche Ambiguität und ergeht sich in Grauzonen – und ist dabei dank des spektakulären Casts in großen und kleinen Rollen erfolgreich: Frances McDormand, Richard Jenkins, Zoe Kazan, Rosemarie DeWitt, John Gallagher Jr., Ann Dowd, Jesse Plemons, Bill Murray, Peter Mullan, Rachel Brosnahan.