🎬 LSC6: Humpday (2009) – Freiheit ≠ Grenzenlosigkeit

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen für den Independent Spirit John Cassavetes Award nominierten Film zu schauen.


HUMPDAY ist ein Film, der die Begriffe von Freundschaft, Liebe, Beziehung und Sexualität infrage stellt. Er dekonstruiert normative Grenzen, zwischen denen wiederum die Grenzen von Intimität verlaufen. Lynn Sheltons († 05/2020) Film zeigt einerseits, wie vollkommen artifiziell, archaisch, anachronistisch sowie auf konservativen Moralvorstellungen aufbauend unsere gesellschaftliche Ausprägung dieser Begriffe ist. Andererseits macht sie auch deutlich, wo die klaren Herausforderungen einer freiheitlichen “You do you”-Gesellschaft liegen.

Denn Freiheit ist ein offenbar besonders für Egoismus gemachtes Nest. Und dem muss zwingend mit offener Kommunikation begegnet werden. Gleichermaßen ist Freiheit nicht mit Grenzenlosigkeit oder dem Zwang dazu gleichzusetzen. Denn Grenzen sind nicht zwingend restriktiv. Stattdessen bestimmen sie ganz individuelle Wohlfühlblasen. Und diese beim Gegenüber auch wahrzunehmen, definiert wiederum den Respektsbegriff.

So breit, wie ich diese mäandernden Ausführungen angelegt habe, funktioniert auch HUMPDAY. Die halb improvisierten Dialoge – und nicht zuletzt Mumblecore-Koryphäe Mark Duplass – verhelfen dem Film zu einer vereinnahmenden Authentizität. Doch irgendwann reicht es nicht mehr, einfach nur nach Echtheit zu streben. Denn der Film verliert zunehmend an Schwung, gibt seine anfängliche Kohärenz auf und beginnt zu zerfasern. Letztlich fehlt das höhere Ziel, auf das hinausgearbeitet wird.


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