LSC6: The Thing (1982) – Perfekter Nährboden für menschliche Paranoia

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehenen Film aus den Letterboxd Top 250 zu schauen.


Warum damit großartig hinterm Berg halten? THE THING ist ein Film, der sich praktisch keine Fehltritte erlaubt. Er ist von der ersten bis zur letzten Minuten spannend – und zwar, weil er sich Zeit nimmt und nicht der Versuchung nachgibt, alle 30 Sekunden eine neue Zerreißprobe liefern zu müssen. Dazu ist THE THING unfassbar unheimlich, weil er wie eine Säure wirkt, die alles langsam zerfrisst, bis nur noch der blanke Horror übrig bleibt. John Carpenter hat damit etwas abgeliefert, das trotz seiner Reduziertheit effektiv statt einfach gestrickt ist.

Carpenters Film arbeitet mit einer klaren, unmissverständlichen Bildsprache, die zu keiner Sekunde das Gefühl vermittelt, etwas unnötig verheimlicht zu bekommen. Dazu kommt ein nahezu perfekter Score aus der Feder des legendären Ennio Morricone, der wirkmächtig unterstreicht statt zu manipulieren. Und das macht THE THING nur noch effektiver.

THE THING ist der perfekte Nährboden für menschliche Paranoia. Er zeigt kompromisslos unsere Kapitulation angesichts komplexer Probleme und den Drang nach vermeintlich einfachen, jedoch völlig destruktiven Lösungen. Der Mensch wendet sich lieber stur gegen seine Artgenossen, anstatt sich sein Scheitern einzugestehen. THE THING zeigt, dass wir einfach nicht aus den Fehlern anderer lernen können, sondern stattdessen felsenfest davon überzeugt sind, es besser machen zu können. Und gerade deshalb steckt die größte Gefahr für die Menscheit in jedem Mitglied der Gesellschaft und dessen Umgang mit dem Fremden selbst.

THE THING erzählt mehr über die menschliche Natur, als die simple Prämisse und der nahezu unausweichliche Handlungsverlauf zunächst vermuten lassen.


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