📝 Ammonite (2020) – Schrei durchs Megafon

Screenshot: kino-zeit.de

Lee spielt vor, ein im Subtext komplexes Drama ablaufen zu lassen, schreit bei genauerem Hinsehen jedoch über weite Strecken regelrecht in ein Megafon. Das zeugt von wenig Vertrauen in die eigenen Darstellerinnen und visuelle Ausdruckskraft. Dabei lässt Lee von Kameramann Stéphane Fontaine (Jackie) die fast schon lebensfeindlich anmutende Südküste Englands mit der poetisch-düsteren Anmut eines Gemäldes von William Turner einfangen, bietet den gewaltigen Bildern jedoch wie seinen Figuren nur wenig ausgeruhte Momente zum Sein. Es fehlt die Erotik der erst zögernden, dann immer länger verweilenden Blicke. Es fehlt das regelrechte Suhlen in Momenten der Verzweiflung, der Spannung, dem explosionsartigen Ausbruch der Gefühle. Es fehlt Freiraum, in dem das Publikum angemessen in die behauptete Gefühlswelt eintauchen, selbst ihre Luft atmen kann.

Ammonite (2020) – Schrei durchs Megafon – kino-zeit.de

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🎬 LSC6: Thief (1981) – Nichts ohne die Lichter der Großstadt

Die Challenge in dieser Woche ist, einen bisher ungesehen Film mit Soundtrack von Tangerine Dream zu schauen.


Michael Mann versteht es, Profis bei ihrer Arbeit zu inszenieren. James Caan und Jim Belushi gehen mit ihrem Panzerknackerwerkzeug genauso virtuos um wie eine Violinist*in mit ihrer Geige und arbeiten so präzise zusammen wie ein Orchester gemeinsam Kompositionen zum Leben erweckt. Ihre krummen Deals wickeln sie mit der Smoothness aalglatter Börsianer*innen ab – und zwar als ob ihnen die Welt zu Füßen liegt und sie nichts und niemandem Rechenschaft schuldig sind. Wobei das wohl mehr über die Wall Street als die Gebaren einer Handvoll Gangster aussagt.

Ihre unfassbare Coolness scheint ihnen jedenfalls nicht ihr Können, sondern die Metropole New York City selbst zu verleihen. Doch ohne die Lichter dieser Großstadt wären sie nichts – nur Typen, die sich gerne reden hören, aber denen niemand zuhört.

THIEF ist ein ästhetisch beeindruckender Film über den „one last job”, der dem Genre auch in 1981 praktisch nichts Neues hinzuzufügen hatte.


📝 The Man Who Sold His Skin (2020) – Die Würde des Menschen ist tätowierbar

Screenshot: kino-zeit.de

Der Deal: Sam Ali lässt sich ein Schengen-Visum auf den Rücken tätowieren und bekommt im Gegenzug ein tatsächliches Visum mit absoluter Reisefreiheit organisiert. Gleichzeitig muss er als nun lebendes Kunstwerk jedoch auf Fingerschnippen für Ausstellungen bereitstehen. Der Exzess der westlichen Welt wird wortwörtlich auf dem Rücken der Geflüchteten ausgetragen. Die Würde des Menschen ist zwar nicht antastbar, aber offensichtlich tätowierbar.

Spätestens an dieser Stelle verabschiedet sich das Drehbuch von jeglicher Form der Subversion. Wer zwischendrin mal kurz aufs Handy schaut, muss keine Angst haben, etwas zu verpassen. Denn The Man Who Sold His Skin setzt zwar auf „show”, aber in noch viel größerem Maße auf „tell”.

The Man Who Sold His Skin (2020) – Die Würde des Menschen ist tätowierbar – kino-zeit.de

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🌊 Der Stream. Empfehlungen aus dem Internet.


Im Februar habe ich das Wochenendmenü in die Kreativpause geschickt. Dort soll das Format auch vorerst bleiben. Trotzdem will ich weiterhin Dinge empfehlen – nur ohne Zeitdruck, ohne Formatzwang, ohne großen Aufwand und irgendwie auch ohne die von Algorithmen getriebene Social-Medie-Öffentlichkeit.

Deshalb habe ich den Stream™️ als Unterseite geschaffen. Dort lasse ich ab sofort Dinge einlaufen, die mir gefallen – schnörkellos und ohne großartige Einordnung. Was im Stream auftaucht, ist einfach gut. Jedenfalls aus meiner Sicht.